Das sollten Sie über die Zertifizierung als AZAV Träger wissen - von der Zertifizierung bis zum Alltag mit der AZAV
Die wichtigsten Infos auf einen Blick.

AZAV ist kein Thema für Sie? - Herzlichen Glückwunsch, Ihnen bleibt viel Aufwand erspart.


Erst mal ein paar allgemeine Infos:

Die AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung) regelt in Verbindung mit dem Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt alle Maßnahmen im Bereich Arbeitsförderung.

Zu den ausführenden Stellen gehören beispielsweise Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen, private Firmen, die Aus- und bieten aber auch soziale Dienstleister, Arbeitsvermittler und Unternehmen oder Organisationen, die sich um Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben bemühen.

Die AZAV ist in Deutschland entsprechend sehr weit verbreitet. Die Verbreitung ist unter anderem daran erkennbar, dass es aktuell in Deutschland 34 sogenannte fachkundige Stellen gibt, die alle ihr Geld damit verdienen, Einrichtungen nach AZAV zuzulassen. Leider ist fundiertes Wissen zur AZAV weniger verbreitet. Daher hier einige Fragen und Antworten in Kürze.

Jein. Als AZAV-Träger wird man nicht zertifiziert, sondern zugelassen. 

Sie erhalten also keine Zertifizierung, sondern eine AZAV-Zulassung. Das ist mehr als nur Wortklauberei und ein wichtiger Hinweis um die AZAV zu verstehen. 

In der AZAV geht es darum, den durch die Bundesagentur für Arbeit vorgegebenen spezifischen Anforderungen zu entsprechen. 

In der Praxis bedeutet das, dass die AZAV den Organisationen nicht nur vorgibt, WAS zu betrachten ist, um Qualität zu fördern (wie es eine Norm tun würde), sondern sehr detaillierte Vorgaben dazu macht, WIE etwas zu tun ist. Diskussionen, ob dieses und jenes in der Praxis sinnvoll ist, sind entsprechend im Zertifizierungsprozess nach ISO 9001 möglich, im Zulassungsprozess AZAV aber vollständig sinnlos.

Erst gestern wieder im Maileingang: „Wir brauchen Unterstützung im Rahmen einer Zertifizierung (!) AZAV. Die Zertifizierung brauchen wir in vier Wochen. Bitte machen Sie uns ein Angebot.“ 

Das Angebot lautet dann meistens auf „Infoveranstaltung zur AZAV“. 

In der Regel benötigen Sie ca. 3 Monate, um „zulassungsreif“ zu sein. Zulassungsreif bedeutet, dass alle erforderlichen Dokumente und Beschreibungen vorliegen müssen: Prozessbeschreibungen, QM-Handbuch, durchgeführte Audits und Managementbewertungen. 

Der Zulassungsprozess selbst dauert mit Sichtung der Unterlagen, Dokumentenprüfung, Audit vor Ort, Berichterstattung, Prüfung und Zertifikatserstellung auch seine Zeit. 

Rechnen Sie also insgesamt mit 4 - 6 Monaten.

Nein. Und das schreibe ich nicht, weil ich Bedarf wecken will :-). 

Zwar ist die eigentliche Verordnung sehr schlank und wirk gut nachvollziehbar. 

Bei der AZAV steckt der Teufel aber im Detail. 

Zusätzlich zur Verordnung gibt noch ebenfalls bindende Ergänzungen und Empfehlungen (die zwar Empfehlungen heißen aber zwingend zu erfüllen sind). 

Und sie müssen ein funktionierendes QM-System vorweisen können. Auch AZAV-Träger müssen Audits organisieren und durchführen, ihr Prozessmanagement im Griff haben, Management-Reviews nach Vorgaben machen oder auch funktionierende Verfahren zum Umgang mit Verbesserungs- und Vorbeugemaßnahmen nachweisen. 

Unterschätzen Sie die AZAV nicht!

Hilft es, wenn man schon zertifiziert ist?

Leider nein. 

Wenn man beispielsweise nach ISO 9001, ISO 29990, LQW oder nach dem Modell des Gütesiegelverbundes Weiterbildung testiert oder zertifiziert ist, ist zumindest der QM-Teil in der Verordnung leichter zu handhaben. 

Die AZAV-Anforderungen gehen aber weit über die Ideen aus dem Qualitätsmanagement hinaus. 

Es braucht also weitere Prozesse und Vorlagen. 

Darüber hinaus gibt es Unterschiede in der Interpretation und Auslegung von Begriffen und Themen (beispielsweise im Bereich „Dokumentationsanforderungen“. 

Die meisten Schnittmengen finden sich zur ISO-Normen-Familie, bei den anderen Verfahren braucht es kreative Lösungen, um aus zwei teils sehr unterschiedlichen Modellen ein sinnvolles Gesamtsystem zu zaubern. 

Es lohnt sich auf jeden Fall, sich dazu ausgiebig Gedanken zu machen.

Fazit

Wem als Organisation an einem sinnvollen Umgang mit der AZAV gelegen ist, braucht Wissen, Handwerk, kreative Idee und gute AZAV Beratung.

Mein Tipp:

Investieren Sie in mindestens einen Beratungstag zur AZAV, um sich über alle Aspekte der AZAV informieren zu lassen. Das ist gut angelegtes Geld, denn eine nicht "bestandene" Zulassung kostet Sie sehr viel mehr.

Prüfen Sie, ob Ihr*e Berater*in tatsächlich Erfahrung mit der AZAV hat. Wissen und Erfahrung mit der ISO 9001 reicht in diesem Fall leider nicht aus.

Diese Verfahren sollten Sie für die AZAV beschrieben haben ...
dann klappt das auch mit der Zulassung!